Heiliges Grab von Ellhofen 
von Gerd Zimmer:
Das Heilige Grab in der Pfarrkirche  St. Peter und Paul Kirche in Ellhofen.
Seit  dem  9.  Jahrhundert  errichtete  man  im  christlichen  Abendland  Nachbildungen  des sogenannten Heiligen Grabes von Jeru-salem. Die Zeit der Kreuzzüge (etwa 11. bis 13.  Jhd.)  brachte  eine  Intensivierung  dieser  spektakulären  Darstellungsform  vom  Grabe Jesu. So nahmen die Pilgerfahrten in das Heilige  Land  am  Ende  des  Mittelalters  gar  wieder zu und dieselben förderten das
Interesse an solchen Architekturkopien (vgl. das bekannte Hl. Grab  in St. Anna in Augsburg von  1508).  Vor  allem  aber  die  Zeit  der  Gegenreformation und die Epoche des Barock liebten  dieses  Thema  und  entfalteten  es  in  einer  sakralen  Prachtdarstellung.  Was  hat  dieser Brauch für eine Bewandtnis? Der Brauch: Wenn  am  Karfreitag  nach  der  Kreuzverehrung und der Kommunionfeier der Hauptaltar  abgeräumt  und  die  Kirchenfenster  verhängt  werden,  legte  man  ursprünglich  das  Altarkreuz  oder  auch  nur  den  Korpus  Christi (ohne Kreuz !)in ein Heiliges Grab, das ursprünglich an einem Nebenaltar oder in einer Seitenkapelle errichtet worden war. Somit  wurde  der  Gemeinde  verdeutlicht,  dass  der  geschändete  Leib  von  Jesus  ohne  Hoffnung  in  einem  Grabe  lag.  Eine  Monstranz im oder am Grab und eine brennende Kerze  waren  meist  die  einzigen  Hinweise  darauf, dass diese Stätte für Christus keine letzte Ruhestätte sein würde.
Im süddeutschen Raum gehörten etwa seit dem 12.  Jhd. aufgesteckte  bunte  Glas-kugeln  zum  Heiligen  Grab.  Die  vielfach  aus venezianischen Glashütten kommenden Kugeln  wurden  durch  dahinter  aufgestellten  Öllämpchen  erleuchtet.  Das  flackernde  Licht verlieh der Szene eine geheimnisvolle Atmosphäre.    Leider  sind  diese  Heiligen  Gräber  heute  weitgehend  aus  unseren  Kirchen  verschwunden.  Dabei hat neben dem Geburts- und  Hinrichtungsort  keine  Stelle  die  Christen  im  Heiligen  Land  stärker  fasziniert  als  die  Grablegungs-stätte  von  Jesus  Christus. Der  Auf-  und  Abbau  der  Heiligen  Gräber  waren  sehr  arbeitsaufwändig.  Und  die  Liturgiereform  von  1955,  sowie  die  etwas  nüchterne Zeit in der wir leben, haben aber den  Brauch  der  Aufstellung  eines  Heiligen  Grabes fast verkommen lassen. Aber es gibt auch wieder eine Rückbesinnung zu diesem alten Brauchtum, unter Weglassung des reinen Spektakels. Heiliges Grab in der Kirche  St. Peter und Paul in Ellhofen. Das  Heilige  Grab  von  Ellhofen  wurde  vermutlich jedes Jahr mit großem Aufwand im Chorrraum errichtet. Es ist anzunehmen, dass es als Passionstheater  gedient  hat.  Auch  in  Oberstaufen,  Weiler  oder  auch  im  benachbarten  Vorarlberg  wurden  noch  im  18.  Jahrhundert  solche  religiösen  Theater  innerhalb der Kirchen aufgeführt. Die  Art  der  Malerei  lässt  die  Entstehung  vermuten.  Das  Heilige  Grab  dürfte  in  der  Zeit um 1720/30 angefertigt worden sein. Also in der Epoche, als bei uns in Süddeutschland  das  Barock  sich  in  seiner  Blüte  entwickelt  hatte.  Nach  Pfarrer  Michael  Raich  soll das Gesamtbühnenbild 1836 von einem Simmerberger Maler, namens Heim, gründlich renoviert, bzw. neu gemalt worden sein. Allerdings  ist  so  viel  ursprüngliche  Farbsubstanz erhalten, dass sich die Restauration vermutlich nur auf Nebensächlichkeiten beschränkte, nämlich den Vorhang  und eine Aufschrifttafel.  Bei  allem  Übrigen  handelt  es sich – wie bereits erwähnt – um die originale Malerei des früheren 18. Jahrhunderts. Dieser  Simmerberger  Restaurator  darf  als  ein umsichtiger und sachverständiger Maler bezeichnet werden.  1764 weist eine Position einer  Ellhofer  Rechnung  auf  den  Abbruch  des Kirchentheaters hin.


Kurze Vorstellung des Heiligen Grabes von Ellhofen.

Der Unterbau und die Mitte zeigen das Kreuz Christi als Zeichen der Erlösung. An das letzt genannte christliche Symbol sind sowohl der Tod als auch der Teufel angekettet. Die beiden Seiten stellen auf den zum Chor weisenden Teil den Stammbaum Marias dar, der sich aus Abrahams Schoß entwickelt hatte.

Auf der Türtafel wird dem Betrachter der Sündenfall der Menschheit angedeutet. Hier sind unsere Stammeltern Adam und Eva unter einem Apfelbaum dargestellt. Darüber erkennt man zwei Bildtafeln mit den Szenen, die das Leiden Christi symbolisieren, nämlich die Geißelung und die Dornenkrönung. Die aus  Holz gefertigten Kulissen, welche diese Schaubühne umrahmen, sind jeweils mit einem weissagenden Propheten aus dem alten Bund bemalt. Über der Gesamt-konzeption tragen nette typisch gestaltete Barockengel die Marter-Werkzeuge, die wir aus der Leidensmission Christi kennen. Die Malerei ist das Werk eines für die damalige Zeit hervorragenden, aber unbekannten  Künstlers. Es könnte sein, dass der Maler sich damals auf der Durchreise in unserer Gegend befand. Es war damals üblich, dass z. B. Kirchenmaler, die im Moment keinen Auftrag zu erledigen hatten, solche kleineren Arbeiten gerne angenommen hatten, ehe sie weiterzogen, z. B. in Richtung Südtirol oder Oberitalien.

Das Besondere an diesem Ellhofer Heiligen Grab besteht aber darin, dass es in der Region wohl die einzig erhaltene Schaubühne ist, die noch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt, um geistliche Schauspiele auf spektakuläre Weise durchführen zu können. In Ellhofen war bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine weithin bekannte Theater- tradition vorhanden. Vor allem großartige Passionsspiele, ganz im Geiste des Jesuitentheaters, wurden hier vor Ort praktiziert. Leider fand dieses großartige Spektakel ein jähes Ende; bedingt durch neue bayerische Verordnungen. Das letzte Passionsspiel, das in unserem Ort aufgeführt wurde, fand im Jahre 1823 statt.